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Gedichte

Eugen Roth

Der Pilz-Fachmann

Ein Mensch, als Schwammerlkenner groß,
Hat ein beklagenswertes Los:
Daß er sich ausruht und gut nährt,
Aufs Land er zu Verwandten fährt -
Statt dessen heißt es gleich: Hurrah!
Jetzt ist der Schwammerlonkel da!
Schon wird mit Freund und Freundesfreund
Den ganzen Tag der Wald durchstreunt;
Dem Menschen wird zur sauren Pflicht
Der ambulante Unterricht:
Man hetzt ihn wild bergauf, bergab:
"Schau her, was ich gefunden hab!"
Als Lehrkraft ist er sehr von Nutzen,
Besonders auch beim Schwammerlputzen,
Und nachts noch muß er überwachen
Die Kochkunst, Pilze einzumachen.
Und weil dort jeder Schwammerl mag
Und sie nicht aß seit Jahr und Tag,
Gibt's als Gemüs, Salat und Suppen,
Nur Schwammerl, ach, bis in die Puppen.
Die Kirchweihgans wird erst verspeist,
Wenn er schon wieder abgereist.

 


Eugen Roth

Der Waldgänger

Ein Mensch im Wald ging für sich hin
Und nichts zu suchen, war sein Sinn.
Doch welch ein Glück! Ein Steinpilz stand,
Ein Prachtstück, dicht am Wegesrand.
Der Mensch, nun schon voll Sucherdrang,
Trug ihn in Händen, stundenlang. -
Dann endlich sah er seufzend ein,
Wie wertlos solch ein Pilz allein.
Er warf ihn fort, ging unfroh weiter:
Da stand, nicht ganz so schön, ein zweiter.
Der Mensch, vom ersten Fall gewitzt,
Daß man mit einem - nichts besitzt,
Verzichtete und ließ ihn stehen,
Zumal's schon Zeit war, heimzugehen.
Doch tretend aus des Waldes Mitten,
Sah unverhofft er einen dritten:
Den pflückte er, mit wildem Eifer. -
Doch wie er auch, als Forstdurchstreifer,
Jetzt schwitzend durch das Dickicht hetzte,
Der dritte, kleinste, blieb der letzte.
Den hat er müde, in der Nacht,
Von seinem Waldgang heimgebracht.
Um die Moral nicht zu versäumen:
Glück in zu weiten Zwischenräumen -
Und schiene es auch einzeln groß -
Beunruhigt unsre Seele bloß...

 

 


Georg Maurer (Dreistrophenkalender)

 

Aus: "Kochbuch für Pilzsammler" Verlag für die Frau, Leipzig 1988

Pilze

Der Fürwitz dieser alten Erde
lacht in den Pilzen uns hervor.
Daß er dir nicht gefährlich werde,
sieh dich beim Pilzesuchen vor.

Nur für das schöne Märchen sind die roten
und darum für das Leben Gift.
Vielleicht daß sich das Volk der Toten
beim Fliegenpilz zum Tanze trifft.

Der Steinpilz, die bescheidenen Maronen
sind da, beim Suchen dich zu lohnen.
Du findst dann auf der Gabelspitze
ganz köstlich diese Erdenwitze.

 


Lob des Herrn Kilzpenner

Aus: "Ich sammle Spaß in meine Mütze." Kinderbuchverlag Berlin 1979

Der Herr Kilzpenner
ist ein Pilzkenner;
denn Herr Kilzpenner
kennt
alle Pilze,
die im Wald stehn,
und weiß,
wie man sie nennt.

Und weiß auch,
welcher gut ist,
kann dir sagen:
Den laß stehn!
Der Herr Kilzpenner
ist ein Pilzkenner
und darf
nichts übersehn.

Schönes Aussehen
kann trügen,
freut's das Auge
auch sehr.
Bei Herrn Kilzpenner,
diesem Pilzkenner,
ging ich gern
in die Lehr.

 


Pilzesuchen

Aus: "Ich sammle Spaß in meine Mütze." Kinderbuchverlag Berlin 1979

Hier einer und dort einer.
Hier deiner, dort meiner.
Dann keiner.
Später ein kleiner.
Wem seiner?
Deiner? Meiner?
Und als Belohnung einer,
riesengroß,
mitten im Moos.
Meiner?
Nein, deiner?

C. F. Schimper

Was innerhalb der Erde
Geheim gezettelt werde,
Man kann es weder sehen
Noch wissend übergehen.
Urplötzlich reift das Ganze,
Kommt Hut an Hut im Kranze,
Ganz gleiche, viele hundert,
Daß jeder sich verwundert,
Stehn mit behextem Fleiße
Gestielt im „Hexenkreise“!


Stephanie von Goßlar

Und wie ich wandere waldquerein
Sich in den Weg mir stellen,
In Gruppen hier, und dort allein,
Gar seltsame Gesellen.
Hier taucht hervor ein brauner Hut,
Dort leuchten sie in purpurglut,
In Farben gelben, grellen.